
Wann beginnen wir wieder, uns um uns selbst zu bemühen?
Wer sich schon einmal mit der Frage beschäftigt hat, ob dieser Moment ewig währt, der hat sich womöglich dennoch noch nicht im Detail mit der Frage beschäftigt, wie wir uns mit dem Alter fühlen werden, wenn sich all das hier nicht mehr so endlos „langweilig“ und gefährlich zugleich anfühlt.
Dann sind wir nicht mehr so fröhlich und leichtfertig mit den Dingen, hören uns nicht mehr die nächtlichen Unterhaltungen auf Youtube und Co an, sondern helfen uns vielmehr gegenseitig ins Bett, bevor sich der alte Ischias Nerv wieder in die eine Position drückt, die uns nervt.
Ich spreche sehr ungern vom Tod. Die meisten möchten davon nichts wissen, obwohl es unser eigener und einziger Antrieb ist. Nicht wahr?
Wie können wir einen Weg zu Ende gehen, wenn wir nicht wissen würden, dass es eines Tages oder sogar schon leider sehr schnell zu Ende sein wird mit uns? Im Gesamten, Ganzen. Alles vorbei.
Das ist für die meisten kaum auszuhalten. Und führt dazu, dass sie sich kaum mehr vor die Tür wagen, in ihren Mäuselöchern hocken und verharren, auf dass der Prinz kommt, die Prinzessin oder auch nur eine gute Gelegenheit, den Regen abzupassen, um zum Asiaten um die Ecke zu flitzen. Der hat nämlich abends ab halt neun Sushi zum halben Preis. Lecker!
Eine weitere Zeitepoche mit uns selbst. Das ist mein absoluter Traum. Denn wenn ich es schaffe bis ins hohe Alter, bin ich bestimmt weiser denn je. Dann habe ich geschafft, mit den eigenen Gefühlen die richtigen Gedanken zu formen, zu finden. Sie werden mir dann nicht mehr so auf der Nase herum tanzen, mich nerven und viele Abende mit Lektüre füllen, die ich mir erst einmal selbst erarbeiten muss.
Dann habe ich endlich frei. So mein Gedanke. Doch ob ich jemals alt werde, weiß ich nicht. Vielleicht ist es auch morgen schon vorbei. Dann habe ich diesen Teil eines schönen Lebens nicht mehr erlebt.
Dennoch möchte ich ihn in meine Pläne einschließen, denn nur dann kann er in mir wachsen, sollte ich doch das Glück haben, älter als meine eigene Oma zu werden.
Weise zu sein ist eine Tugend, sagt man. Doch es ist nichts im Vergleich zu jemandem, der sich schon zu Lebzeiten dafür entscheidet, weiterhin mit sich selbst im Kontakt zu bleiben, solche Situationen zu meiden, die ihm weh tun oder ihn gar hindern, eine friedliche Zeit zu verleben. Egal mit wem.
Stattdessen leben wir nach dem Motto „Hauptsache, die eigenen Bedürfnisse werden befriedigt und man bekommt die Teller voll geschaufelt, die wir nicht einmal in einer gesamten Woche auf futtern könnten.“ Es ist zum Heulen. Wir werden alle vereinsamen, wenn wir so weitermachen.
Eine Frau mit dem Gesicht einer Weisen hat nichts damit zu tun. Sie kann sich damit auch nicht identifizieren, versteht ihr? Es ist nicht ihr Terrain, nicht ihre Methode. Sie hat auch keine eigene. Sie ist ihr Leben lang mit sich im Reinen gewesen. Denken wir. Doch auch das ist für uns nur schwer nachvollziehbar.
Eine Weise hat ihr Leben lang dafür gekämpft, mit sich integer zu sein, sich selbst zu sehen, wenn sie auch mit einem Blick nach Außen dafür gesorgt hat, ihren Weg weiter zu gehen.
Sie konnte so für sich navigieren, ohne sich selbst zu verlieren. Weil sie nicht einmal den Faden aus der Hand gelegt hat, während sie über die Straße ging. Er lief einfach so mit. Und später, als es ihr dann leichter fiel, sich selbst zu hören, hat sie recht schnell begriffen, dass es im Außen kaum eine Weise gibt, die ihr das Wasser reichen kann. Weil es keine gibt im Außen.
Die Weisen, die wir jemals erkennen sollten, sind doch in uns selbst, im Inneren. Und somit auch für das physische Auge unsichtbar.
Was wir dennoch sehen können in den Gesichtern dieser heimlichen Stars sind die Farben der Gedanken, die ihre Gefühle in den Geist gegraben haben, Furchen bilden und uns daran erinnern, dass kein Weg einfach ist. Nicht einmal der einer Weisen.
Ich wünsche euch, dass ihr steinalt werdet. Mit dem Gefühl der Nähe zu euch selbst. Damit ihr immer einen Faden in der Hand haltet, der euch hält. Es ist ein guter Faden. Er trägt euch ins nächste Feld. Jetzt und für den Rest eures Lebens.