Wie kann es sein, dass wir uns nicht länger mit dem eigenen Leben beschäftigen, sobald wir mit weltlichen Dingen beschäftigt sind?
Ich habe das Gefühl in mir getragen, dass sich dieser innere wie auch innerliche Prozess des „ich bin jetzt für mich hier“ nicht länger gut anfühlt. Das war vor etwa 10 Jahren. Darum war ich auch böse auf mich, als keine Ängste mehr dazukamen. Wie hätte ich „weitermachen“ können oder auch wollen, wenn es nichts Neues mehr in mir zu erfahren gäbe? Das konnte ich mir nicht vorstellen.
Nun, weit gefehlt. Ich habe verstanden, dass es sich nicht länger um mich dreht, das Gefühl der Nähe. Ich bin die Nähe! Das ist allerhand. Jetzt könnte ich behaupten, dass sich das gut anfühlt. Doch das stimmt so nicht. Nicht ganz.
Meine Welt ist nicht mehr so kompliziert wie früher. Damals habe ich um Verständnis für mich gerungen, wollte es noch einmal versuchen, mit mir auszukommen. Heute bin ich mit mir, egal, was kommt oder, oder, oder. Es spielt einfach keine Rolle mehr, wer gerade mit mir ist oder was geschieht. Ich bin hier und das ist die Hauptsache für mich. Ist das egoistisch?
Wie können wir mit einem Gefühl in uns leben, dass sich nicht länger gut anfühlt, sondern einfach für uns sorgt und uns versorgt mit neuem Leben, stündlich, täglich, immer? Ich kann mir kaum erklären, wie ich hierhergekommen bin. Ist es denn wichtig? Vermutlich nicht. Einzig und allein der Innere Kompass lehrt mich heute, wie wichtig die Arbeit mit meinem Inneren gewesen ist. Damals, als es nichts anderes gab als das Gefühl, in mir abzutauchen und mich mit dem zu befassen, was mich gerade bewegte. Doch auch hier war das Weltliche immer von einer großen Bedeutung. Es hat mir aufgezeigt und gegeben, was ich in mir bewegen wollte. Heute ist daraus eine große Suppe geworden. Es ist nichts mehr übrig von dieser Trennung „Außen und Innen“. Nichts gehört irgendwohin.
Eine größere Überlegung daran ist vermutlich auch, dass es sich nicht mehr so sehr „um mich“ dreht. Es gab ja immer wieder die Tendenz, für mich nicht einmal überlegen zu müssen, was ich will sondern stattdessen vollkommen und Hals über Kopf zu zerreden, zu analysieren oder gar zu plakatieren, was gerade Schlimmes in mir und meinem Leben auf mich zugerast kam. Somit war ich immer in der Mitte meines Lebens, also auch immer die Betroffene, das Opfer, die Handlungsunfähige oder eben auch die Täterin des eigenen Handelns.
Das ist natürlich fürchterlich anstrengend, nicht wahr? Wie könnte ich mir da erlauben, abzuschalten oder auch nur einen Hintergrundgedanken an eine schöne Lebensweise zu verschenken? Das war ausgeschlossen.
Heute ist das alles ein wenig verschoben worden gedanklich. Es ist nicht mehr wichtig. Spielten früher Gefühle eine große Rolle, um mir zu helfen oder mich zu zentrieren, bei welchem Unterfangen auch immer, so bin ich heute auch nicht mehr so sehr darauf angewiesen. Es spielt ja eh eine untergeordnete Rolle, wo ich bin und was geschieht. Wichtig ist einzig und allein, dass es mich gibt. Denn nur so kann und darf ich alles erfahren, was auch immer dieses Was dann ist. Das ist doch die Hauptsache.