
Wir fühlen nicht, wir sind.
Das ist für mich der größte Punkt, über den wir sprechen müssen. Denn wenn wir sagen, dass wir etwas zu fühlen haben, weil sich jemand oder etwas in unserem Leben daneben benommen hat, sind wir nicht im Sein, oder? Wir haben eine Ausrede gefunden, mit der wir sein wollen. Aber das ist nicht das Gefühl des Seins.
Das mag sich kompliziert anfühlen, ist es aber nicht. Denn Sein und Fühlen sind ein und dasselbe. Wir können nur sein, wenn wir fühlen. Aber wir denken, dass wir sind, weil wir etwas fühlen, was wir erlebt haben. Aber das ist nicht unser Sein.
Das möchte ich erklären. Wir können nicht mit jemandem sein, ohne ihn auch zu spüren. Das ist einfach, nicht wahr? Wenn wir dann mit ihm sind, ohne ihn oder sie zu benutzen, um uns anders zu fühlen, können wir einfach sein, ohne uns zu stressen oder zu verurteilen. Wir sind einfach miteinander. Punkt.
Das ist das schönste Geschenk, was wir jemandem und uns selbst machen können. Doch die Gewissheit, dass wir sein wollen ist auch eine falsche. Denn das wäre so, als würden wir behaupten, die Welt bestünde nur, wenn wir sie auch fühlen oder sehen können. Das ist aber nicht immer der Fall, oder?
Wir sitzen auf der Erde, spüren sie aber nicht pulsieren oder vibrieren. Wir hören auch nicht, wie sie sich um die eigene Achse dreht und um die Sonne bewegt. Sie ist jedoch dennoch, sie kommt uns nur so abstrakt vor. Daher der Vergleich mit unserem eigenen Sein.
Es ist so wichtig, dass wir verstehen, dass unser Sein keine Pflicht ist. Wir haben damit nichts zu tun. Es ist einfach.
Wir können es sein, zulassen oder auch verweigern. Doch wir sind es und es ist nichts daran zu ändern, wenn wir es so einmal drastisch ausdrücken wollen.
Stattdessen können wir beschließen, was wir mit unseren Gedanken und unserem Gefühlen machen wollen, nicht wahr? Sie sind nicht so abstrakt, so fern und doch so nah. Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit, indem wir uns fühlen, als wären wir in der Waschtrommel. Oder in der nächst besten Seifenoper.
Wir haben einen Weg in diese Gefühle gefunden und können uns nun nicht mehr vorstellen, wie wir ohne sie leben wollen. Das ist natürlich falsch. Denn wer sich nicht mehr in seinen eigenen Gedanken zurecht findet, benötigt sicherlich auch keine eigene Kur, um sich selbst zu spüren. Das tut er dann von ganz alleine. Die Gedanken werden ihm schon Beine machen. Aber das ist ja nicht das Sein, von dem ich spreche.
Wir wollen alle lieber sein als uns fühlen. Denn damit wären wir geheilt, ein Buddha auf zwei Beinen. Doch wirklich ankommen können wir nur im Sein. Das ist eine Frage der Einstellung. Wie wir auch immer dort hin kommen, ist uns überlassen.
Ich ziehe das Sein jedem Gefühl vor. Mittlerweile. Früher wollte ich lieber alles andere als das stete langsame Dasein. Es hat mir Angst gemacht. Und darum waren mir auch die Gefühle und die Tage im Chaos recht, die durch mein Verhalten und Denken auf mich einströmten.
Nun hat sich der Sturm gelegt, die Wogen geglättet und ich kann spüren, wie ich mehr und mehr in meinem Sein ankomme. Mit einem Gefühl der Nähe zu mir, mit einem Lächeln im Gesicht.
Denn es gibt es nicht für umsonst, dieses Sein. Es kostet uns die Welt, dieses Gefühl der inneren Gesamtheit. Wie kann ich da noch ruhig sein? Aber es ist auch das nicht mehr so schlimm. Ich kenne seinen Preis. Und zahle ihn gern.