
Frieden ist kein Satz oder ein Thema, das wir erreichen, weil wir es wollen. Er ist ein Prozess, der uns bewegt, verändert und ein Stückchen näher bringt an das, warum wir hier sein wollen. Um uns zu fühlen.
In diesen Tagen gibt es kaum ein Thema auf der Welt, das uns mehr beschäftigt als das Thema Frieden. Nur dass wir es immer und immer wieder auf die anderen schieben. „Wie kann er nur?“ „Was sollte das?“ „Warum gehen wir hier entlang?“
All das sind viele Fragen, die wir den anderen stellen, doch nur zu selten halten wir inne, um uns selbst ein Stück weit wieder einzufangen, zu finden, was uns wirklich am Herzen liegt. Und das ist die eigene Sicherheit. In uns selbst.
Wir können den inneren Frieden erst dann besprechen, wenn wir im Außen einen Schutz haben.
Das ist schon klar. Doch wie kann ich hier in inneren Gefilden navigieren, wenn im Außen so viel Schindluder getrieben wird?
Es ist meine eigene Verantwortung, einen Raum zu schaffen, in dem ich mich aufhalten kann, auch wenn die inneren wie äußeren Bedingungen nicht ideal sind.
Denn zu warten, bis die äußeren sich mit den inneren decken und mir sozusagen den richtigen Moment dafür schenken kann ich nicht er- oder gar abwarten. Darum bin ich gefragt, mich um mich selbst zu kümmern. Zuerst! Denn nur dann denke ich für mich selbst, aber auch im größeren Kontext.
Eine Frau kann sich nur um ihr Baby kümmern, wenn sie selbst getrunken hat. Denn ein Baby kann von ihr nur dann trinken, wenn sie Muttermilch produziert. Solange sie jedoch kaum einen Halt in sich gefunden hat, kann sie auch dem Kind nichts anbieten.
Mit dem Frieden sind ähnliche Voraussetzungen gefragt, mit denen wir uns zunächst in uns selbst besänftigen.
Eine Reise ins eigene Ich ist für viele ein Graus. Sie denken, dort lauern die größten Ungeheuer und sie finden keine Antworten außer die, die sie schon meinen zu kennen. Doch im Gegenteil!
Es gibt unzählige Orte, die wir hier noch nicht bereist haben, die sich gut und ruhig anfühlen, die uns Kraft geben und ein wenig Zeit für eine Pause spenden. Weil wir sie aufsuchen! Doch genau dadurch sind wir eben gefordert, diesen inneren Weg auch zu gehen, ohne daran zu zweifeln, dass sich währenddessen im Außen ein Loch auftut und wir geradewegs hinein stürzen. Das ist in den meisten Fällen nicht gegeben.
Wir können darauf vertrauen, dass sich das Außen in diesen Tagen nicht auf die Probe stellen lässt. Es wird sich weiter und weiter vergrößern, uns Angst machen wollen und Unsicherheit verteilen.
Wir sind stattdessen in uns selbst gefragt, diesen inneren Weg und die eigene gefühlte Sicherheit wieder her zu stellen, zu finden und zu halten, damit wir im Außen einen Weg sehen können, der sich lohnt zu gehen. Mit anderen, aber eben auch erst einmal nur für uns selbst.
Wenn das nur heißt sich den eigenen Dingen zu stellen, BEVOR wir uns im Außen in die Nachrichten stürzen, dann haben wir vielleicht wenigstens verstanden, dass es einen Weg geben kann, der sich nicht im großen Ganzen von dem unterscheiden muss von der Liebe, die wir uns so sehr im Leben wünschen.
Frieden ist möglich. Wir haben ihn nur vergessen. In uns selbst.