
Wie wir mit dem Fluss gehen können, ohne uns selbst zu verraten.
Wieder und wieder kommen Menschen zu mir, die sich vor allem um diese eine Frage drehen:
Wie kann ich mich gut fühlen, wenn ich doch im Außen „so und so“ zu sein habe?
Dieser Frage kann ich nur nachgehen, wenn ich mich nach innen wende, ins Zentrum und zum Kern der Sache.
Nicht im Außen, sondern im Inneren sind die Vergleiche, die Bezüge, die wir ändern wollen, damit uns der Mensch neben uns gefällt oder wir ihm scheinbar genügen können. Das sind viele vertrackte Gedanken, die uns zu Dingen zwingen wollen, die wir gar nicht machen oder haben möchten. Sie machen uns weis, dass wir nicht okay sind, wie wir sind. Dass wir verstehen müssen, dass es nicht reicht, was wir hier haben, machen und sind. Das tut weh. Das macht uns mürbe und unwirsch uns selbst gegenüber, ich weiß. Darum ist mein Grundgedanke heute ein anderer.
Wenn wir im Außen sehen könnten wie wir uns im Innen fühlen, würden wir es dann auch vor allen anderen genau so zeigen?
Ich erkenne mich oftmals in den Geschwindigkeitsanzeigen vor kleinen Ortschaften oder in der Nähe von Grundschulen, wenn sie mir verraten, wie schnell ich gerade fahre und ob das so angemessen ist. Meist bekomme ich als Feedback einen Smiley. Weil ich ja weiß, dass ich kontrolliert und öffentlich bloßgestellt werden kann. Wenn ich also so langsam fahre, wie es vorgeschrieben beziehungsweise leise empfohlen war, bin ich okay. Eine Belohnung fürs lieb sein!
Doch wenn ich nun mit diesem Smiley überhaupt nichts erzeugt habe, weil ich gelogen habe, was dann? Wenn ich mich anders verhalten würde, wenn die Kontrolle nicht da wäre oder ich nur so tue, als wäre ich vorsichtig? Dann kann mir der Smiley auch nichts nützen. In dem Augenblick habe ich mir selbst eine Ohrfeige verpasst und kann noch so gut oder scheinbar respektvoll durchs Leben navigieren.
Ich habe mich verraten und das tut mir mehr weh als jedes Knöllchen im Straßenverkehr.
In dieser Welt bekommen wir alles gespiegelt, gut wie schlecht, heiter wie trübe. Doch wir sind es, die darauf eigenständig reagieren können. Ein Dilemma, wenn wir uns etwas in die Tasche lügen müssen, um dem anderen und, noch viel schlimmer, uns selbst ein gutes oder starkes Gefühl zu vermitteln. Was würde die Geschwindigkeitsanzeige in diesem Falle sagen? Wohl kaum einen lachenden Smiley.
Wir können in dieser Welt nur bestehen und uns für uns selbst gerade machen, wenn wir auch sehen können, wenn die Ampel mal auf rot steht. Damit können wir nun uns selbst schützen, unsere Fahrweise oder gar unser Tempo anpassen und eine Ampelphase mit Ruhe verstreichen lassen. Das gibt uns Kraft und ein neues Signal. Dass alles in Phasen kommt und geht und wir auch mal einen kleinen Umweg fahren können, um genau dann anzukommen, wenn wir uns wieder selbst ein Stückchen lieb gewonnen haben.