Wer oder was kann unserem inneren Druck auf die schnelle Abhilfe verschaffen?
Gelingt es uns wirklich, uns zu nullen, also wieder wie neugeboren aus dem Urlaub zurückzukommen? Oder aus dem Meeting mit einer Vorgesetzten nach einer Gehaltsverhandlung? Sind das realistische „Erleichterungen“?
Natürlich hilft ein Erfolg oder Urlaub ungemein. Doch wie es mir damit langfristig geht, dieses „Wenn XY passiert, dann entspanne ich mich!“ Spielchen zu spielen, möchte ich kritisch betrachten.
Ich glaube nicht an eine schnelle Lösung. Im Urlaub krank zu werden war jahrelanger Standard für mich. Somit war das meine Form der Entspannung?!
Kannst du dir vorstellen, mit dir im Einklang zu sein? Keinen Urlaub mehr nehmen zu müssen, um mit dir in einen kurzweiligen Austausch zu flüchten? Denn das ist es doch, oder? Wir flüchten vor dem Alltag in die Berge, an den Strand, ins Abenteuer zu vielen, vielen lieben Menschen, die uns ablenken. Doch nach zwei Wochen steht das Karussell wieder da, wo es immer schon war: Auf seinem Platz, der uns sagt „Vergiss und arbeite. Wenn du artig bist, darfst du in ein paar Monaten kurz aussteigen. Doch für den Moment drehen wir uns wieder schneller und schneller und schneller.“
Abhilfe erkennen wir daran, dass sich Mittel und Wege für uns gut anfühlen, egal wohin sie führen. Wir fühlen den Moment, das Knacken der Kiesel unter unseren Sohlen macht uns glücklich, wir strahlen, weil wir vorwärts laufen, einen Schritt nach dem anderen.
Wege im Karussell dürfen genauso sein. Wir können und dürfen genießen, egal wo wir sind und leben. Doch wenn wir nicht mehr glücklich sind, sobald wir in der Gemeinschaft tätig sind, haben wir den Anschluss an uns verloren und brauchen Abstand.
Um zu erfühlen, was uns fehlt kann eine Auszeit genügen. Meistens verfallen wir dann in Tagträume und bemerken erst viel zu spät, dass dieser Traum möglich gewesen wäre. Doch dann stecken wir schon wieder viel zu tief im Karussell des Lebens und sind daran gewöhnt, alles von vorne bis hinten im Vorfeld zu wissen. Was passiert, ist von nun an kalkuliert. Und der kleine Kiesweg, auf dem wir im Urlaub so gerne unterwegs waren, ist jetzt nicht mehr da. Die Blümchen, die uns am Feldrand inspiriert haben, stehen verwelkt in einer Vase. Gemalt haben wir sie nicht. Dafür waren wir viel zu beschäftigt.