
Ich habe heute mein altes Leben wiedergesehen. Es kam mir erst gar nicht so schlimm vor. Ich wollte nur den Rasen mähen in einem Schrebergarten, der mir gar nicht mehr gehört.
Es ist noch nicht alles abgewickelt dort. Meine Verpflichtungen sind zwar bereits erfüllt, doch die Pachtzeit läuft noch bis November. Also will der Sommer natürlich noch innerhalb dieses Gartens gestaltet werden. Heißt: Pflege. Doch als ich mich zwingen wollte, dort mitzumachen, mich einzubringen, wieder Hand anzulegen, konnte ich es nicht über mich bringen. Etwas war vorüber.
Die Schätzung, welcher Teil des Hauses zurückgebaut werden muss, sowie die Bewertung der Bäume auf dem Grundstück und die Entscheidung darüber, welche gefällt werden müssen – all das wird heute Nachmittag begutachtet und entschieden. Ich wollte einfach alles in meiner Macht Stehende versuchen, um dem Prüfungskomitee einen sauberen Garten vorzuführen. Doch das Schicksal möchte es nicht.
Seit Tagen versuche ich, mich zu Fuß oder mit dem Fahrrad diesem alten Leben wieder anzunähern. Gleichzeitig wurde ich immer schneller und emsiger in meinen Bemühungen, mein neues Leben auf Spur und ins Laufen zu bringen. Bis nachts um zwei saß ich am Rechner, klickte, recherchierte, schrieb und gestaltete. Es gab keine Regeln oder Limitierungen. Alles, was ich wollte, konnte ich nun umsetzen.
Dieser Erfolg hätte sich eigentlich gut anfühlen müssen. Stattdessen war ich immer wieder in Gedanken beim Garten und den damit einhergehenden Verpflichtungen. Heute Morgen stürzte ich, nachdem es gestern Nachmittag wieder nicht gegangen war, weil es hagelte und aus Eimern schüttete, zum Garten.
Das Gras stand oberschenkelhoch und blühte. Der Boden war nass und satt vom langen Regen. Im Gewächshaus war der Salat, den ich im März noch guter Dinge ausgesät hatte, geschossen. Ungenießbar.
Ich hastete zur Veranda, schloss die Tür auf und griff nach den Akkus für die beiden Rasenmäher, die ich vor Tagen geladen hatte. Als ich sie nacheinander vom Schuppen nach vorne schob, sprang weder der eine noch der andere an.
Sie waren nicht auf meiner Seite.
Ich wollte es unbedingt versuchen. Vor der Mittagspause um 13 Uhr fertig werden. Irgendetwas retten.
Ich habe kapituliert. Nicht vor der Arbeit. Nicht vor dem Garten. Sondern vor der Vorstellung, dass sich mein altes Leben noch einmal zum Blühen bringen lässt.