
Wie wir die Nähe zu uns selbst besser ertragen
Wie wir es auch drehen und wenden, wir sind am Leben. Jetzt. Und wenn wir es noch weiter auf die Spitze treiben, könnten wir das sogar genießen. Au weia! Da richten sich bei manchen sicher gleich die Nackenhaare auf.
Ich kann das verstehen. Wir sind so vielen Aufgaben ausgesetzt, haben so viele Termine, Versprechen, die wir einlösen wollen oder auch müssen. Und dann wollen wir auch noch glücklich sein. In uns. Mit uns! Was für eine ernüchternde Bilanz, wenn wir nun auf den Tisch vor uns schauen und nur die einzelnen Fragmente erkennen, jedoch nicht das zusammenhängende Puzzle Motiv.
In dieser Phase habe ich mich jahrelang verstrickt. Ich dachte, jedes Teil des Puzzles wäre das Gesamte, das vollständige Bild. Dennoch habe ich mich immer und immer wieder umgedreht, nach anderen Ausschau gehalten, mit mir selbst einen Pakt abgeschlossen, „besser“ zu sein und es dann doch wieder nur einen Schritt nach dem anderen machen können.
Es hat mich viel Mühe, Kraft und eine Unmenge an Tränen gekostet, diesen Inhalt meiner Selbst überhaupt zu erahnen. Ich habe mich so viele Jahre einfach nur getrieben gefühlt von der Angst, dem Gewissen, meiner Schuld und dem Drang, den eigenen Ängsten und auch Sorgen ein Stück weit gerecht werden zu wollen.
Da stand ich nun mit dem Koffer voll Gold, konnte ihn jedoch nicht auspacken.
Also habe ich beschlossen, jeden einzelnen Groschen und Schein mit mir selbst in die nächste Runde zu bringen, zu investieren. Wie das geht? Mit Hilfe meiner eigenen Fragen an mich selbst konnte ich für mich selbst ein paar Antworten finden, mich zumindest nicht länger geschäftig halten, sondern habe mich dieser einen Frage wirklich und eindringlich gestellt. Bis ich ein Gefühl hatte, ein Gefühl mit und für mich selbst.
Das kann natürlich nichts werden, wenn wir alle Themen auf einmal mit uns herum schleppen. Damit gibt es nur Chaos. Aber für den Moment konnte ich mich so zumindest beschäftigen, aber auch zufrieden stellend einen Tag nach dem anderen mit einer mich berührenden Sache verbringen.
Manches Mal hat das Jahre gedauert, bis ich eine Frage beantworten, also fühlen konnte, ohne dass sie mir die Tränen der Wut oder Ungeduld in die Augen getrieben hat. Doch ich war ja nicht hier, um diese inneren Themen für mich zu lösen. Ich war hier, um den Goldklumpen, auf dem ich saß, Stück für Stück zu inhalieren, zu verstehen, zu nutzen. Damit ich verstehen konnte, woraus er denn für mich nun bestand.
So gewinnt man also Blattgold. Nein, nicht so einfach. Natürlich nicht. Aber diese Geduld, mit der ich mich immer wieder auf diese Themen, Fragen und Gefühle eingelassen habe, konnte mir in dieser Zeit kaum helfen, mich vollständig zu fühlen. Oder gar frei.
Doch jetzt, nach all den Jahren und unzählige Puzzleteile später, komme ich langsam dahinter, dass ich nicht alle Teile oder Goldstücke für mich verstehen muss, um glücklich zu sein. Ich kann ein paar auslassen, auch wenn ich sie sehe und fühle, dass sie zu mir gehören.
Sie sind da. Und ich bin es auch. Wir kommen zusammen, auch wenn ich sie nicht verstehen kann. Doch sie nützen und dienen und fühlen mit mir. Genau so, wie ich es auch für mich selbst getan habe, all die Jahre. Und das reicht mir.